Bamberger Oratorienchor singt Uraufführung -Werkbeschreibung des Komponisten
Am 22.11.2025 lud der Bamberger Oratorienchor ein zu einem Konzertereignis der besonderen Art: in der Pfarrkirche St. Gangolf wurde die „Missa prisca“ (Messe nach altehrwürdiger Art) von Prof. Christoph Dartsch (*1967) zur Uraufführung gebracht.
Christoph Dartsch ist seit 1999 künstlerischer Leiter des Bamberger Oratorienchores. Unter seiner Leitung konnte der Chor seinen Wirkungskreis über den festen Platz im Konzertleben der Stadt Bamberg hinaus ausdehnen. Konzertreisen führten ihn unter anderem nach Prag, Luxemburg und Salzburg. Christoph Dartsch lehrt seit 1998 das Fach Chorleitung an der Hochschule für Musik Würzburg, 2018 wurde er zum Professor für Dirigieren (Chorleitung) ernannt. Verschiedene von ihm komponierte Chorwerke sind verlegt und aufgeführt worden. Auch die „Missa prisca“ entstammt seiner Feder und wurde von ihm eigens für den Oratorienchor komponiert. Weitere Programmpunkte des Konzertes waren die Acappellastücke der Renaissance-Komponisten Diego Ortiz (um 1510–1570) und Pomponio Nenna (1556–1608) sowie zwei Orgelwerke von Girolamo Frescobaldi (1583–1643)
Christoph Dartsch selbst beschreibt sein Werk: „Wenn wir von einer in Musik gefassten Messe sprechen, meinen wir in der Regel die Vertonung der Texte des Messordinariums. Das sind diejenigen Texte, die von Gottesdienst zu Gottesdienst unverändert wiederkehren. Diese Texte waren jedoch in der frühen Musikgeschichte noch nicht vorrangiger Gegenstand musikalischer Ausgestaltung. Im frühen Mittelalter hat man vielmehr diejenigen Texte singend dargestellt, die einem ganz bestimmten Gottesdienst im Kirchenjahr vorbehalten waren und nicht wiederkehrten. Dies geschah im gregorianischen Choral, der einstimmig gesungenen Musik. Zwar blieb dieser Choralgesang über Jahrhunderte Grundlage der Musik, jedoch wurde er in der allmählich aufkommenden Mehrstimmigkeit immer mehr umspielt und in ein kunstvolleres Geflecht verschiedener Stimmen verwoben. Somit ist es verständlich, dass man sich nun stärker den wiederkehrenden Texten zuwandte, denn mit ihnen war die Vertonung unabhängig vom jeweiligen Gottesdienst wiederholbar. Die Messe als Abfolge der Ordinariumssätze gewann zunehmend an Bedeutung, bis sie im 16. Jahrhundert das Hauptbetätigungsfeld vieler Komponisten wurde. Man denke an Giovanni Pierluigi da Palestrina, der die Messe mehr als 100-mal vertonte. Auf eben diese Blütezeit beziehe ich mich mit der Missa prisca und verrate dies mit dem Titel. Das lateinische Wort „prisca“ bedeutet „nach alter Art“. Wie sieht aber dieser Bezug aus? Zum einen sind alle Stimmen in sich melodisch nach dieser alten Art geführt. Wie schon im gregorianischen Choral gibt es eine Art Rezitieren auf einem Ton, wie Sie es zu Beginn im Kyrie eleison hören werden, oder einfache schrittweise Bewegung wie später im Christe eleison. Diese beiden Melodievarianten bilden das Material für alle Messteile und kehren in immer neuem Gewand wieder. Ich habe dabei nicht einfach alte Musik kopiert, sondern betrachte sie mit den Augen und Gedanken des heutigen Menschen. In der Verknüpfung der Stimmen habe ich eine Klangwelt geschaffen, die damals nicht möglich gewesen wäre, die vielleicht anstößt, jedoch aus heutiger Sicht niemals erschreckt oder provoziert und immer von einer nachvollziehbaren Struktur getragen wird. Denn die Musik möchte den Menschen behutsam zu seinem Inneren, zur Seele führen und braucht dazu eine stimmige, harmonische Form. Und dieses Verständnis von Textvertonung zum anderen ist ebenfalls ein Bezug zur alten Musik. Wichtig war mir, der liturgischen Aufgabe der Texte zu entsprechen: Im Kyrie ist dies die Anrufung Gottes mit der innigen Bitte um Vergebung. Im Gloria, das mit den Worten der Engel aus dem Weihnachtsevangelium nach Lukas beginnt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,14) ist es der Lobpreis Gottes. Im Credo, das ursprünglich als Taufbekenntis gesprochen wurde, ist es das sich Bewusstmachen des Kerns unseres Glaubens von der Erschaffung der Welt bis zur Menschwerdung, dem Leiden, Tod und der Auferstehung Christi und damit dem Erwerb des ewigen Lebens für alle Gläubigen. Im Sanctus, das auf eine Gottesvision des Propheten Jesaja zurückgeht, in der Gott umgeben ist von Engelgruppen, die sich gegenseitig das „heilig, heilig, heilig“ zurufen, ist es das sich im Gesang Vereinen mit den himmlischen Chören. Und im Agnus Dei ist es das demütige Gedenken an unsere Schuld, die von Christus, im Johannesevangelium als das Lamm bezeichnet, durch dessen Tod getilgt wurde.“ (Christoph Dartsch, 2025)